Czerwensky-Top-10-Liste

(Auszug aus der Czerwensky Prognose 2011)

Mittlerweile schon seit dem Frühjahr pendelt der DAX in einem vergleichsweise engen Band zwischen etwa 5700 und 6300 Punkte. Nachhaltig ist ihm der „Ausbruch“ weder nach oben noch nach unten gelungen. Zuletzt kratzte er zum wiederholten Mal an der oberen Marke. Technische Analysten sind sich da einig: Schafft er es endlich, diesen Deckel wegzusprengen, erschließt sich schnell neues Kurspotenzial von etwa 10%. Den Schlüssel dafür hat derzeit die US-Konjunktur in der Hand, aber auch die angespannte Lage von Schuldnern wie Irland oder Portugal könnte zum Zünglein an der Waage werden. Kommt es hier zu einem weiteren Knall, könnte die Party auch ganz schnell abgeblasen werden.

Mithin schwingt bei unseren Empfehlungen, mit denen Sie im Übrigen auch in den vergangenen zwölf Monaten nicht schlecht gefahren sind, eine gewisse Vorsicht mit. Während sich seit Erscheinen unserer letztjährigen Prognose der DAX um gut 10% verbessert hat (Stand: Anfang Oktober), konnten Sie mit unseren zehn Werten knapp 15% verdienen. Stärkere Kurskorrekturen bei HeidelbergCement, comdirect und Rhön-Klinikum auf der Zielgeraden haben die zwischenzeitlich fette Outperformance zusammenschmelzen lassen.

Auch bei unseren neuen Empfehlungen haben wir uns für Unternehmen entschieden, deren Aufstellung wir für hervorragend halten und die aus unserer Sicht auch über die nächsten zwölf Monate hinaus viel versprechende Perspektiven haben, sich in strategischen Sondersituationen befinden oder auch zum Objekt der Begierde anderer werden könnten. Mithin finden sich in unseren Top-10 folgende Unternehmen:

Deutsche Bank: Mit seiner großvolumigen Kapitalerhöhung ist das Frankfurter Kreditinstitut der Konkurrenz mal wieder einen Schritt voraus gewesen. Damit sind auch die Altlasten der Postbank, die nun schneller als geplant übernommen wird, verkraftet. Die Deutsche Bank stellt sich breiter auf und festigt ihre Position als heimischer Bankenprimus weiter. Der Gewinnanteil der stabileren Geschäftsfelder soll nach der Übernahme von Teilen der ABNAmro- Aktivitäten, von Sal. Oppenheim und der Postbank kräftig zulegen und mittelfristig fast die Hälfte betragen. Vorrangige Aufgabe wird sein, schnell Synergien aus der Integration der Postbank zu heben. Mit den eingenommenen Kapitalmitteln, die nicht für die Postbank „verbraucht“ werden, kann sich das Kreditinstitut bereits für die Anforderungen durch regulatorische Änderungen (Basel III) rüsten. Im Zuge der Kapitalerhöhung und der bekannt gegebenen vorübergehenden geschäftlichen Eintrübung im Investmentbanking hat die Deutsche- Bank-Aktie kräftig Federn gelassen. Ihr Management um CEO Josef Ackermann hat indes in der Vergangenheit des Öfteren bewiesen, dass die Bank in der Lage ist Herausforderungen zu meistern, und ihr viel zuzutrauen ist (Kurs 1.10.2010: 40,70 Euro ; 52-Wochen-Hoch/-Tief 55,10/38,50 Euro).

Beiersdorf: Der Konsumgüter- und Klebstoffhersteller hat zuletzt durch gute Geschäftszahlen überzeugt. Dass die Aktie des hanseatischen Tesa- und Niveakonzerns bislang im Jahr 2010 auf der Stelle getreten ist, wird dem nicht ganz gerecht. Die in der Krise gebeutelte Klebersparte Tesa hat zuletzt von der starken Nachfrageerholung v.a. seitens der Industrie profitiert, soll mittelfristig durch die Erschließung des Pharmamarktes zudem unabhängiger von den bislang sehr konjunktursensitiven Abnehmerbranchen gemacht werden. In der Consumersparte haben die Erlöse angesichts der Verunsicherung durch die Schuldenkrise in Europa stagniert, dafür aber in Nord- und Südamerika oder Asien kräftig zugelegt. Das macht die Beiersdorf-Papiere zu einem wenig schwankungsanfälligen Investment mit moderatem Upside-Potenzial. Dazu kommt jetzt allerdings ein Schuss Übernahmephantasie, nachdem Robert McDonald, der Chef vom Rivalen Procter & Gamble, ziemlich unverblümt sein Interesse an der „grandiosen Marke“ aus Hamburg in die Öffentlichkeit trug. Strategisch würde so ein Zusammenschluss durchaus Sinn machen, gestehen Analysten ein, zweifeln aber zugleich daran, dass Mehrheitsaktionär maxingvest (knapp über 50%) ein solch solides Investment aufgibt. Stimmt der Preis, ist freilich schon so mancher schwach geworden. Die „Schmerzgrenze“ wird dafür vielerorts bei etwa 60 Euro gesehen, wobei potenzielle Preise bis rund 75 Euro genannt werden (45,50 Euro; 48,30/38,80 Euro).

RWE: In der Öffentlichkeit als die großen Profiteure der Laufzeitenverlängerung der Atomkraftwerke dargestellt, denen die Regierung fette zweistellige Milliardengewinne zuschiebt, ist die Börse zu einem gänzlich anderen Ergebnis gekommen. Die Freude hielt einen Tag, dann hagelte es Verkaufsempfehlungen und RWE ging der Saft aus. Die Zusatzgewinne liegen in weiter Ferne, die i.R. des „Kompromisses“ beschlossenen Steuern und Abgaben hingegen fallen schon bald an. Ein Gewinneinbruch im nächsten Jahr wird befürchtet, weshalb RWE die Konzernstruktur verschlankt, Investitionen und Geschäftsfelder auf den Prüfstand stellt und wohl auch über eine Kürzung der Ausschüttung nachdenkt. Zu allem Überfluss steht die Verfassungskonformität des Atomkompromisses in Frage. Unsicherheit mag die Börse nun mal gar nicht. Wer über den Tellerrand hinausschaut, kommt wohl eher zum Schluss, dass die positiven Effekte mittel- und langfristig überwiegen. Länger laufende AKW senken die Stromproduktionskosten, dürften zugleich entlastend auf den CO2-Preis wirken, wovon Europas größter CO2-Produzent profitieren sollte. Selbst bei einem Ergebnisrückgang und einer maßvollen Kürzung der Ausschüttung (Vj. 3,50 Euro je Aktie) sollte die Dividendenrendite noch stattlich und die Aktie nach dem Ausverkauf günstig bewertet erscheinen (49,80 Euro; 69,30/49,40 Euro).

Brenntag: Ein sehr erfolgreiches Börsendebüt hat der Chemie-Logistiker Brenntag gefeiert, der auch ziemlich schnell den Aufstieg in den MDAX geschafft hat. Erst nach und nach entsteht ein treffendes Bild, wie der Mülheimer Konzern einzuschätzen ist. Kursexzesse hat es bis dato keine gegeben, die Aktie gefällt durch ihren steten Kursanstieg. Das Unternehmen, das Chemikalien in großen Mengen kauft und sie in bedarfsgerechten Umfängen weiterveräußert, überzeugte im bisherigen Jahresverlauf durch sein solides Wachstum. Mit Übernahmen in wichtigen Geschäftsregionen wie Nordamerika oder Asien hat man in den letzten Monaten gute Grundlagen für weiteres Wachstum in den Folgejahren gelegt. Die 1874 in Berlin als Eiergroßhandel gegründete Gesellschaft will die Expansion im stark fragmentierten Markt für den Chemiekalienhandel auch künftig mit Augenmaß vorantreiben. Auch charttechnisch sieht Brenntag viel versprechend aus. Analysten sehen mehrheitlich ihre Kursziele im Bereich von knapp unter 80 Euro (62,20 Euro; 64,80/48,00 Euro).

BayWa: Die BayWa ist heutzutage nicht mehr nur Europas größter Agrarhandelskonzern. Dieses Geschäft ist schwankungsanfällig, hängt nicht nur an der allgemeinen Nachfrage, sondern vor allem auch an volatilen Getreide- oder Nahrungsmittelpreisen. Um diese Abhängigkeit zu verringern, bauen die Münchner i.R. einer klar formulierten Wachstumsstrategie seit geraumer Zeit ihr Standbein im Bereich Erneuerbare Energien aus. Ob Biogasanlagen, Solaranlagen oder Windenergie – überall hat die BayWa mehr und mehr ihre Finger im Spiel. Diese Bereiche versprechen höhere Renditen, europaweit sondiert man derzeit den Markt, um das junge Segment weiter auf- bzw. auszubauen. Mittelfristig soll das junge Geschäftsfeld 1 Mrd. (Konzern 2009: 7,3 Mrd.) Euro Umsatz beisteuern. Finanzieller Spielraum ist vorhanden, zumal die im MDAX gelistete BayWa sich jüngst 200 Mill. Euro durch ein Schuldscheindarlehen geholt hat. Analysten halten den neu beschrittenen Weg für aussichtsreich, schließlich kennen und schätzen Landwirte oder Gemeinden BayWa schon lange Jahre als zuverlässigen Partner, worauf man auch bei PV-Aufdach- oder Biogasanlagen bevorzugt zurückgreift (29,60 Euro; 30,90/21,10 Euro).

Salzgitter: Nachdem die Krise den Stahl-, Röhren- und Technologiekonzern 2009 heftig in Mitleidenschaft zog, muss wohl auch 2010 eher als ein verlorenes Jahr gelten, selbst wenn das anvisierte „Vorsteuerergebnis oberhalb von Breakeven“ erreicht wird. Im laufenden Jahr leidet Salzgitter in der wichtigen Stahlsparte unter den angesichts der Rohstoffkostenentwicklung unzureichenden Absatzpreisen. Nachdem die Minenbetreiber ihre Lieferverträge auf vierteljährliche Preisanpassung umgestellt haben, dauert die Umstellung der bis dato langfristigen Lieferbeziehungen mit den Stahlabnehmern etwas länger, was sich für die Stahlhersteller zunächst als recht ungünstig erwiesen hat. Jüngst belasteten auch Befürchtungen über eine nachlassende Stahlnachfrage und sinkende Preise. Die ausgeprägte Kursschwäche, die durch das Ausscheiden aus dem DAX freilich noch verstärkt worden war, sollte dennoch die Belastungsfaktoren allmählich abgearbeitet haben. Anzeichen für eine nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone sollten ein schnelles Comeback der Salzgitter-Papiere nach sich ziehen. Im Röhrenbereich macht man sich Hoffnungen, bei den anstehenden Pipeline- Projekten (z.B. Nabucco) zum Zuge zu kommen. Bankhaus Lampe errechnet zudem eine massive Unterbewertung: Demnach beläuft sich der Buchwert auf rund 73 Euro je Aktie (47,80 Euro; 74,30/46,00 Euro).

Fraport: Im nächsten Jahr will Stefan Schulte endlich die Wachstumsbremse lösen können. Nicht auf den Auslandsflughäfen, wo Fraport heute schon mitunter zweistellige Wachstumsraten aufweist. Gemeint ist der Frankfurter Großflughafen, wo man mittlerweile die rezessionsbedingten Einbußen beim Aufkommen wieder wettgemacht hat. Viel mehr ist freilich gar nicht drin, seit Jahren schon limitierten die Kapazitätsgrenzen die Zuwächse. Im Herbst 2011 soll endlich die neue Landebahn in Betrieb gehen. Jüngst hatte Schulte in Aussicht gestellt, dass hiernach auch wieder mit 4-7% Wachstum jährlich in Frankfurt kalkuliert wird – trotz aufkommender Belastungen für die Airlines wie der Luftverkehrsabgabe oder dem Handel mit Emissionsrechten, der am Horizont neue Kostenärgernisse aufziehen lässt. Das bedeutet auch mehr potenzielle Kundschaft für die Einzelhandelsflächen. Der Zusatzschub, also das Mengenwachstum durch die neue Landebahn, soll auch den operativen Gewinn des Konzerns um jährlich etwa 10% im Schnitt anschieben. Nicht zu vergessen, dass Fraport sein Netz international immer enger knüpft und als Betreiber von Airports seine Finger immer öfter im Spiel hat. Interesse hat Schulte für eine zweite Beteiligung in China sowie an Flughäfen in Puerto Rico oder Brasilien bekundet. Ein Drittel zum operativen Gewinn steuern die Auslandsbeteiligungen bereits bei. Der Wachstumskurs sollte sich auch im Aktienkurs peu a peu widerspiegeln (44,70 Euro; 45,30/31,40 Euro).

Stada: Eine Gewinnwarnung Ende September wegen der Liquiditätsprobleme serbischer Großhändler hat die Aktie von Stada kräftig gedrückt. Viele Analysten gehen deshalb bereits davon aus, dass der Hersteller von Generika (Nachahmerprodukte) und Markenprodukten (Selbstmedikation und Wellness-Bereich) seine Ziele 2010 verfehlen wird. Im eingebrochenen Kurs sollte das aber enthalten sein. Langfristige Werttreiber wie Volumenwachstum bestehender Produkte, Patentabläufe und der höhere Verbreitungsgrad in Schwellenmärkten seien nach wie vor intakt, sagen Experten. Auf mittlere Sicht liebäugelt Stada zudem mit dem Einstieg in das Geschäft mit Biogenerika. Gleichwohl ist die Marktsituation beispielsweise in Deutschland schwierig, was für Stada aber nichts Neues ist. Mit Blick auf 2011 erwarten Analysten, die fast unisono weitaus höhere Kursziele für Stada nennen, hierzulande zumindest eine Stabilisierung. Auch sollten dann die Erfolge aus einem Restrukturierungsprogramm deutlicher sichtbar werden. Nicht zu vergessen: Seit Jahren ranken sich um Stada immer wieder Übernahmespekulationen. Nach diversen Deals gelten die Hessen als einer der letzten, angesichts der guten Aufstellung attraktiven Kandidaten. Günstige Kurse sollten das Interesse der Branchenführer schnell wieder aufleben lassen (21,30 Euro; 32,50/17,40 Euro).

Qiagen: Seit vielen Jahren überzeugt der Anbieter von Technologien zur Reinigung, Isolierung und Aufbereitung von DNA und RNA – den Trägern der Erbinformationen – durch anhaltendes Wachstum. 2009 hat das Biotechunternehmen, das auch schon an der Schwelle zum DAX stand, erstmals mehr als 1 Mrd. Dollar Umsatz erzielt. Das Produktportfolio umfasst über 500 patentgeschützte Produkte. Über mehrere Monate haben nun Analysten das Unternehmen mit etwas Skepsis betrachtet, auch wegen aufkommender Konkurrenz. Die faire Bewertung sehen sie dennoch allesamt weit höher als auf aktuellem Niveau, das mittelfristig für den TecDAX-Wert eine attraktive Einstiegschance darstellen könnte. Große Pläne hat Qiagen in China, wo man sich zu Zeiten von Sars, Vogel- und Schweinegrippe einen guten Namen gemacht hat. Bei der Früherkennung von Zivilisationskrankheiten, die enorme Kosten sparen könnten, sieht man viel Potenzial. Zudem sitzt Qiagen auf einem Batzen Geld, das nach Verwendung, z.B. Akquisitionen, sucht. Andererseits gilt Qiagen als potenzieller Übernahmekandidat für den amerikanischen Großkonzern General Electric, der Gelüste auf eine Shopping-Tour haben soll (13,15 Euro; 17,90/13,15 Euro).

ABB: Zu den Unternehmen, bei denen die gestiegene Profitabilität und der geschäftliche Turnaround noch nicht hinreichend im Kurs enthalten sein könnten, zählen wir den Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB, der auf die zwei Zukunftstrends Moderne Energietechnik und Industrieautomatisierungssysteme setzt. Während sich die frühzyklischen Geschäftsfelder bereits kräftig erholen, bereitet das langzyklische Infrastrukturgeschäft noch Schwierigkeiten. Man gab sich zuletzt aber zuversichtlich, dass die Talsohle durchschritten ist. Das ursprünglich auf 2,3 Mrd. Dollar lautende Kostensenkungsprogramm wurde auf 3 Mrd. aufgestockt und soll bis zum Jahresende auch abgearbeitet sein. ABB (Umsatz 2009: knapp 32 Mrd. Dollar) verspricht, eine interessante Aktie für das Jahr 2011 zu werden, die es natürlich auch in Deutschland zu kaufen gibt. ABB sollte auch vom durch den US-Präsidenten Obama angekündigten Konjunkturprogramm profitieren können, in dessen Rahmen in den kommenden Jahren 50 Mrd. Dollar in Infrastrukturprojekte fließen sollen. Mittelfristig sollte auch die Anpassung der Stromnetze für eine steigende Nutzung von erneuerbaren Energien dem Weltmarktführer für Hochspannungsnetze gute Geschäfte bescheren (15,50 Euro; 16,90/12,00 Euro).

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